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Chronik der Bentheimer Freilichtbühne

 

Die Freilichtspiele Bad Bentheim zählen zu den ältesten Freilichttheatern Nordwestdeutschlands. Gegründet wurde die Freilichtbühne 1925 als „Verein für Vaterländische Freilichtspiele“ und bietet seitdem unterhaltsames und abwechslungsreiches Theater unter freiem Himmel. Mit der „Hermannschlacht“ von Kleist begann in einem alten Steinbruch das Freilichtbühnenleben in Bentheim. Die Sandsteinfelsen dienen bis zum heutigen Tag als natürliche Kulisse und sind wesentliche Voraussetzung für die gute Akustik.

 

Für die erste Aufführung, der „Hermannschlacht“ von Kleist, standen dem gewählten künstlerischen Leiter 200 Spieler zur Verfügung. Als Regisseur wurde ein Profi gewählt, während alle Spieler Amateure waren. Das gehörte mit zur Konzeption des Freilichtspiels und hat sich bis zum heutigen Tage nicht geändert. In den folgenden Jahren wurden vorwiegend Stücke im vaterländisch-klassischen Stil – wie „Wilhelm Tell“. „Wieland der Schmied, „Die Rabensteinerin“, „Die Nibelungen und „Die Räuber“ – erfolgreich gespielt. Sie festigten den Ruf der Bühne als hervorragende Kulturstätte des nordwestdeutschen Raumes

 

Nach Abschluss der Saison 1939 beendete eine zehnjährige Zwangspause vorerst das Spiel auf der Bentheimer Freilichtbühne und zerstörte alles, was zu zerstören war. Nur die steinerne Kulisse stand noch auf dem öden Felsenrund. Trotz dieser Trostlosigkeit war die Idee des Bentheimer Freilichtspiels nicht zu zerstören. 1949 wagte man als „Freilichtspiele Bentheim e. V.“ mit der „Rabensteinerin“ einen Neubeginn. Im vorerst klassischen Repertoire folgten Schillers „Wilhelm Tell“, das die Bentheimer Freilichtbühne als erste deutsche Bühne nach dem Krieg im benachbarten niederländischen Losser aufführen durfte. Die Aufführung von Schillers „Die Jungfrau von Orleans“, ließ die Zuschauerzahlen in eine Höhe schnellen, die bisher nicht wieder erreicht wurde. Die Aufführung von Goethes „Egmont“ folgte im Jahr darauf.

 

Die klassischen Dramen fanden anfänglich großen Anklang beim Publikum. Doch dann begannen andere Kräfte die Zeit zu bestimmen, das „Heimkino“, das Fernsehen, dem noch der Reiz des Neuen anhaftete, gewann immer mehr an Bedeutung. Die Bühne musste erkennen, dass die Basis der deutschen Klassiker allein nicht mehr zugkräftig genug war und das Angebots-Repertoire erweitert werden mußte. Der Versuch, mit Karl-May-Spielen auch Jugendstücke auf der Bentheimer Bühne anzusiedeln, war mit der Winnetou-Inszenierung 1953 erfolgreich, scheiterte aber auf lange Sicht an dem vergleichsweise riesigen Aufwand und technischen Schwierigkeiten.

 

Die Idee, Märchen auf der Freilichtbühne zu spielen, erwies sich als zukunftsweisend. 1957 verwirklichte die Bentheimer Freilichtbühne als eine der ersten Bühnen im Freilichtbühnen-Verband mit „Dornröschen“ diese Idee, die die Herzen der Kinder und der jung gebliebenen Erwachsene im Sturm eroberte. Auf der Bentheimer Felsenbühne begann ein unaufhaltsamer Siegeszug der Märchen, die bis heute nichts an Ausstrahlungs- und Anziehungskraft verloren haben..

 

Beim Erwachsenenstück wurde in den folgenden Jahren, dem Zeitgeist entsprechend, experimentiert. Die Spielskala reichte vom „Jedermann“ von Zerkaulen bis hin zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Leichte Kost, sog. Volksstücke, Sing- und Lustspiele standen ebenso im Freilichtbühnenrepertoire wie die Klassiker „Wallensteins Lager“ von Schiller, „Der Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt und im 50. Jubiläumsjahr 1975 Brechts “Mutter Courage“. Es folgten der „Schinderhannes“ von Zuckmayer, Goethes „Götz von Berlichingen“, Der Widerspenstigen Zähmung“ von Shakespeare und „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal.

 

Aus der Märchenschatztruhe holte sich die Freilichtbühne in den ersten Jahren die deutschen Märchen, ging später mit „Alef und die Zauberflöte“, dem „Kleinen Muck“ und „Aladin und die Wunderlampe“ in die orientalische Märchenwelt. 1982 folgte man mit der „Kleinen Hexe“, „Pippi Langstrumpf“ „Jim Knopf“, „Ronja Räubertochter“ erfolgreich dem Trend der Zeit und begab sich mit „Momo“ in ein bisher fremdes Märchenland.

 

Mit dem „Wirtshaus im Spessart“ und „Anatevka“ kam 1984 Gesang auf die Bühne. Als Pendant folgte Brechts „Puntila und sein Knecht Matti“.1991 wurde mit „My fair Lady,“ erstmals ein Musical auf die Bentheimer Freilichtbühne gespielt – das zwei Jahre in Folge ein großer Erfolg wurde. Die Bentheimer zeigten aber auch Mut zum Wagnis, indem sie Stücke auf die Bühne brachte, bei denen der Publikumserfolg nicht vorprogrammiert war, wie „Amadeus“, untermalt von Mozarts hinreißender Musik, „Brechts modernem Klassiker die „Dreigroschenoper“ oder „Hexenjagd“ von Arthur Miller.

 

2013 gelang es, mit dem St.-Pauli-Musical „Heiße Ecke“ musikbetonte, leichtere Kost auf die Bühne zu bringen, die Besucherrekordzahlen verzeichnete. Die Bühne blieb in den folgenden Jahren auf dieser Trendwelle.

 

Die Bühnengemeinschaft besteht aus ca. 200 aktiven Mitgliedern, Spielern auf der Bühne und helfende Hände aller Sparten hinter den Kulissen. Mit viel Engagement, umfangreichen Eigenleistungen und in Eigenverantwortung ist es gelungen, die Voraussetzungen für einen reibungslos funktionierenden Theaterbetrieb zu schaffen und zu erhalten. 2012 erhielt die Freilichtbühne, mit Einsatz von vielen Eigenleistungen, eine Teilüberdachung der Tribüne, die den Zuschauern mehr Komfort bietet und sie vor Regen und starker Sonneneinstrahlung schützt.

 

Die große Freilichtbühnenfamilie hat sich das Ziel gesetzt, auch in den kommenden Jahren ein lebendiges, den unterschiedlichen Erwartungen des Publikums und der Zeit entsprechendes, facettenreiches Programm auf ihre Bühne unter freiem Himmel in den Bentheimer Bergen zu bringen. Wobei die Qual der richtigen Wahl so alt ist, wie das Theaterspiel selbst.

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