Amateurtheater mit Tradition

Die Freilichtspiele Bad Bentheim gehören zu den ältesten Naturtheatern in Nordwestdeutschland. Seit 1925 wird in einem ehemaligen Steinbruch in den Bentheimer Bergen Theater gespielt. Die in 90 Jahren Theaterarbeit entstandenen über 140 Inszenierungen wurden von über 2 Millionen Zuschauern besucht.

Die große Spielschar junger und alter theaterbegeisterter Menschen hat es über Jahrzehnte immer wieder verstanden, die großen und kleinen Besucher der idyllischen Freilichtbühne in ihren Bann zu ziehen und ihnen mit guter Theaterkost Stunden der Freude, Spannung und Entspannung zu bieten.

Während vor dem 2. Weltkrieg und in den ersten Jahren danach die deutschen Klassiker auf der Bentheimer Bühne dominierten, wurde in den 60er-Jahren heftig experimentiert. Nach den Klassikern glaubte man mit leichter Kost, dem Volksstück, Lustspielen und dem Singspiel den Zuschauereinbruch aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen, Veränderungen der Lebensgewohnheiten, der Einstellungen zu Kunst und Kultur und dem Fernsehen entgegenzuwirken. Mit „Krach um Jolante“, „Wenn der Hahn kräht“ und „Alles für die Katz“ wollte man dem Publikum Deftiges liefern. Mit dem „Weissen Rössel“ und dem „Schwarzwaldmädel“ kam auch der Gesang auf die Bühne. Ab den 70er-Jahren lesen sich die Spielpläne der Freilichtspiele Bad Bentheim wie ein ungeordnetes Sammelsurium, wie eine scheinbare Zufallswahl ohne erkennbare Richtung. „Jedermann“, „Die lustigen Weiber von Windsor“, „ Anatevka“, „Schinderhannes“, „My Fair Lady“, „Amadeus“, „Das Wirtshaus im Spessart“, „Die Dreigroschenoper“, „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Der Graf von Monte Christo“ lassen auf den ersten Blick kein Konzept, keine klare Linie erkennen. Kenner der Szene wissen jedoch, dass die Spielpläne das Ergebnis einer immer währenden Diskussion um die Herausforderung, die eine sich ruhelos verändernde Welt an das Theater stellt, sind.

Ihre jahrzehntelangen Theatererfahrungen konnten die Freilichtspiele Bad Bentheim e.V. in den „Verband der Freilichtbühnen Nordwestdeutschland“ (* 1953) einbringen. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern dieser mittlerweile mit der Region Süd im „Verband Deutscher Freilichtbühnen“ zusammengeschlossenen Interessengemeinschaft von über neunzig Freilichttheatern.

Mit dem Märchenstück „Dornröschen“ verwirklichten die Bentheimer 1957, als eine der ersten Bühnen im Freilichtbühnen-Verband, Jugendtheater unter freiem Himmel. Anfänglich waren es die Märchen der Gebrüder Grimm, die in Szene gesetzt wurden, vereinzelt orientalische Märchen und in den letzten zwei Jahrzehnten vor allem modernes Jugendtheater. Ursprünglich als zweites Standbein für die Bühne eingerichtet, ist das Jugendtheater mittlerweile zur tragenden Säule der Bühne geworden

Entstanden aus der Jugendarbeit an der Freilichtbühne wurde das Wintertheater (Wintermärchen) im Winter 1974/75 gegründet. Das Ziel war, in den Winterspielen in erster Linie junge Darsteller einzusetzen, um sie über das „kleine“ an das „große“ Spiel auf der Freilichtbühne heranzuführen. Angesichts der Nachfrage der Gastspielorte nach dem „Bentheimer“ Wintermärchen etablierte sich ein Tourneetheater, das alljährlich um die Weihnachtszeit Kinder und Erwachsene in die verzauberte Welt der Märchen führt.

Geprägt wurde die verschworene Gemeinschaft, die sich zusammengefunden hat, um sich und in erster Linie den Besuchern mit dem Theaterspiel Freude zu bereiten, stets durch das Können, das künstlerische Gespür und die sichere Hand professioneller Regisseure. Amateure und Profis haben gemeinsam zueinander gefunden, sich ergänzt, sich schätzen gelernt. So wurde ein leistungsstarkes und niveauvolles Freilichttheater über Jahrzehnte aufgebaut und bewahrt.

Nicht unerwähnt bleiben soll das Engagement der Bühnengemeinschaft, mit umfangreichen Eigenleistungen und in Eigenverantwortung die baulichen und technischen Voraussetzungen für einen reibungslos funktionierenden Theaterbetrieb zu schaffen und zu erhalten. Zu Beginn des Jahres 2012 hat der Verein in dieser Tradition mit öffentlicher und privater Unterstützung, aber vor allem auch mit viel Engagement der Mitglieder, eine Teilüberdachung des Zuschauerraums erstellen, damit auch in der Zukunft weiterhin Theater „aus dem Volk für das Volk“ gespielt werden kann – jetzt mit einem Dach für alle Fälle.

Unsere Aufführungen ab 1925

1925 Kleist - Die Hermannsschlacht
1926 Schiller - Wilhelm Tell
1927 Lienhard - Wieland der Schmied
1928 Wildenbruch - Die Rabensteinerin
1929 Hebbel - Die Nibelungen
1930 Gluth - Andreas Hofer
1931 Griebel - Reineke Fuchs
1932 Sager - Der Hirt von Neuenhaus
1933 Schiller - Wilhelm Tell
1934 Hebbel - Die Nibelungen (2 Teile)
1935 Schiller - Die Räuber
1936 Hebbel - Kriemhilds Rache
1937 Schiller - Wilhelm Tell
1938 Wildenbruch - Die Rabensteinerin
1939 Hebbel - Die Nibelungen
1949 Wildenbruch - Die Rabensteinerin
1950 Schiller - Wilhelm Tell
1951 Schiller - Die Jungfrau von Orleans
1952 Goethe - Egmont
1953 Karl May - Winnetou
Calderon - Der Richter von Zalamea
1954 Hofmannsthal - Jedermann
1955 Niemann - Wie die Alten sungen
1956 Mandelartz - Till Eulenspiegel
1957 Zerkaulen - Der Reiter
Manders - Dornröschen
1958 Blumenthal/Kade - Im weißen Rößl
Dr. Andreas - Schneewittchen
1959 Schiller - Walleinsteins Lager
Wanne - Die Weiber von Schorndorf
Stelter - Der gestiefelte Kater
1960 Shakespeare- Ein Sommernachtstraum
Karl May- Der Schatz im Silbersee
1961 Shakespeare - Was ihr wollt
v. Kaulla - Das tapfere Schneiderlein
1962 Raeder - Robert und Bertram
1963 Kleist - Prinz Friedrich v. Homburg
Heuer - Tom Sawyers Abenteuer
1964 Hinrichs - Wenn der Hahn kräht
Hinrichs - Krach um Jolanthe
Stelter - Schneeweißchen und Rosenrot
1965 Dreyer - Der Ammenkönig
Calderon - Der Richter von Zalamea
Heuer - Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren
1966 Jessel - Schwarzwaldmädel
Heuer - Aschenputtel
1967 Heuer - Der letzte Mohikaner
Heuer - Der Meisterdieb
1968 Hinrichs - Für die Katz
Bürkner - Rumpelstilzchen
1969 Blumenthal/Kadelburg - Im weißen Rößl
Heuer - Die Prinzessin und der Schweinehirt
1970 Kotzebue - Die deutschen Kleinstädter
v. Kaulla- König Drosselbart
1971 Zuckmayer - Der fröhliche Weinberg
Gregan - Alef und die Zauberflöte
1972 Patrick - Das kleine Teehaus
Manders - Die Bremer Stadtmusikanten
1973 Hauptmann - Schluck und Jau
Manders - Dornröschen
1974 Dürrenmatt-Der Besuch der alten Dame
v. Kaulla - Das tapfere Schneiderlein
1975 Brecht- Mutter Courage und ihre Kinder
Stelter - Der gestiefelte Kater
1976 Shakespeare - EinSommernachtstraum
Richter - Der kleine Muck
1977 Lope de Vega - Tumult im Narrenhaus
Grimm - Rumpelstilzchen
1978 Zuckmayer - Schinderhannes
Wittchen - Aschenputtel
1979 Schiller - Wilhelm Tell
Grimm/Heuer -Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren
1980 Goethe - Götz von Berlichingen
Grimm/Wanderscheck - Der Froschkönig
1981 Shakespeare - Der Widerspenstigen Zähmung
Grimm/Aalken - Schneewittchen und die 7 Zwerge
1982 Hofmannsthal - Jedermann
Shakespeare - Der Widerspenstigen Zähmung
Preußler - Die kleine Hexe
1983 Shakespeare - Die lustigen Weibervon Windsor
Herzig - Dornröschen
1984 Hoffmann/Grothe - Wirtshaus im Spessart
Aalken - Aladin und die Wunderlampe
1985 Schübel - Die drei Musketiere
Rahtjen - Das tapfere Schneiderlein
1986 Stein/Bock/Harnick- Anatevka
Anderen/Heuer - Die Prinzessin und der Schweinehirt
1987 Nestroy/Hilpen - Lumpazivagabundus
v. Kaulla- Zwerg Nase
1988 Shakespeare-Ein Sommernachtstraum
Ende/Huber - Momo
Egner/Hartmann -Klaus Klettermaus
1989 Zuckmayer - Schinderhannes
Lindgren-Pippi Langstrumpf
1990 Brecht-Herr Puntilla und sein Knecht Matti
Ende -Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
1991 Loewe/Jerner - My fair Lady
Lindgren - Ronja Räubertochter
1992 Loewe/Jerner - My fair Lady
Preußler - Die kleine Hexe
1993 Zuckmayer - Der Hauptmann von Köpenick
Helge - Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren
1994 Patrick - Das kleine Teehaus
Baum - Der Zauberer von Oz
1995 Berlin - Annie get your gun
Lück - Ali Baba und die 40 Räuber
1996 Schaffer/Bücker - Amadeus
Nola - Eine kleine Zauberflöte
1997 Hoffmann/Grothe - Das Wirtshaus im Spessart
Korschunow - Die Wawuschels mit den grünen Haaren
1998 Brecht - Die Dreigroschenoper
Preußler- Räuber Hotzenplotz
1999 Hugo/Walbohm- Der Glöckner von Notre-Dame
Aalken - Aladin und die Wunderlampe
2000 Dumas/Walbohm - Der Graf von Monte Christo
Lindgren - Pippi Langstrumpf
2001 Müller/Charell - Im weißen Rößl
Junggeburth -Das Dschungelbuch
2002 Aristophanes/Plent - Lysistrata
Andersen - Ariella, die kleine Meerjungfrau
2003 Stoker/Walbohm - Dracula lebt
Kästner - Emil und die Detektive
2004 Schübel - Die drei Musketiere
Barth Rabatz im Zauberwald
2005 Stein/Bock/Harnick - Anatevka
Barrie - Peter Pan
2006 Miller - Hexenjagd
Stein/Bock/Harnick - Anatevka
Preußler - Die kleine Hexe
2007 Shakespeare-Ein Sommernachtstraum
Preußler - Der Räuber Hotzenplotz
2008 Verne - In 80 Tagen um die Welt
Funke - Die wilden Hühner Fuchsalarm
2009 Jerofke - Robin Hood
Ende - Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
2010 Jerofke - Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Edelmann - Die Schöne und das Biest
2011 Dumas- Mann mit der Eisernen Maske
Lindgren - Pippi Langstrumpf
2012 de Beaumarchais- Figaros Hochzeit
Kipling - Das Dschungelbuch
2013 Matschoß -Heiße Ecke
Lindgren - Michel aus Lönneberga
2014 Matschoß - Heiße Ecke
Westermeyer - Mirinda Zauberwind

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